Citizenfour (OV)

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©Praxis Films

Januar 2013. Es ist dunkel, wir sehen einen Tunnel, nur ein schwaches Licht. Ein Fahrzeug, das der dunklen Straße folgt. Plötzlich ertönt eine Frauenstimme aus dem Off, die uns Nachrichten vorliest, die an sie gerichtet sind. Nachrichten von einer mysteriösen Person. Nachrichten mit Inhalten, strengster Geheimhaltung, Verschlüsselungen, geheime Trefforte und Codenamen. Der Absender macht ihr klar, dass er sie „ausgesucht“ hat und das nicht zufällig passiert und die Empfängerin weis ganz genau, worum es geht und warum sie seine „Auserwählte“ wurde. Er selbst nennt sich CITIZENFOUR und sie, sie wollte ihn bekannt machen …

Was hier wie der neue James Bond-Streifen klingt ist in wirklichkeit die Realität.
Der Kinosaal ist fast gefüllt und das ist erstaunlich in Anbetracht dessen, dass eine Besucherin im Nachhinein erzählte, dass sie den Film schon das dritte Mal sehe und nur heute, der Saal so voll war. Offenbar scheint es niemanden wirklich zu interessieren.
Die Mehrheit der Bevölkerung hat einen Facebook-Account, vermutlich benutzt jeder Dritte Whatsapp, jeder Volljährige mit einem Girokonto besitzt eine Bankkarte und Smartphone-Besitzer kann man kaum noch zählen.
Täglich werden unzählige Beiträge veröffentlicht, Nachrichten versendet, Einkäufe getätigt und telefoniert. Was uns dabei nicht bewusst ist, dass alle diese Daten gesammelt werden. Diese „persönlichen“ Daten landen alle in einem „Pott“ in den USA, wo eigens ein enormes Zentrum gebaut wurde, das nur zu diesem Zwecke dienen soll.

„Big Brother is watching you, don’t let him see your real face.“

Amerika hat sich seit den Anschlägen am 11. September 2001 darauf spezialisiert, uns zu beobachten, unsere Daten zu sammeln, unsere Schritte zu zählen und zu verfolgen. Begründen tut es die Regierung damit, dass dies Vorsichtsmaßnahmen seien, um das Land vor weiteren Anschlägen zu schützen. Das mag ganz plausibel klingen, doch die Bevölkerung stellt sich dennoch die Frage, warum dann ein Anschlag, wie kürzlich in Paris auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo möglich war, wo doch die Täter bereits bekannt und angeblich überwacht wurden? Hinzuzufügen ist, dass diese Art der Überwachung gegen die Menschenrechte verstößt und uns zudem auch die Redefreiheit, oder die Freiheit sich frei zu entfalten, nimmt.

„Google ist dein Freund.“ 

Das bedeutet, dass wir nun ins Grübeln kommen. Wie sicher bin ich? Werde „ich“ überwacht? Was passiert wenn ich „dieses“ und „jenes“ auf Facebook teile oder in Google suche? Man beginnt vielleicht damit, sich überlegter im Netz aufzuhalten, entwickelt leichte Paranoia, achtet darauf, was man seinen Freunden schickt, wo man hingeht, mit wem man sich trifft. Man verändert sein Verhalten, man zensiert sich selbst oder tritt den kompletten Rückzug an.
Es ist Tatsache, dass Google vor allem der Freund der NSA zu sein scheint, denn Google speichert alles. Der Nutzer freut sich sicher, dass die Suchmaschine sofort weis, was derjenige sucht, da er es schon einmal gesucht hat. Eine Gute Sache, wäre da nicht der erdrückende Fakt, dass alle Informationen tatsächlich in eine Sammlung von Datensätzen landen. Datensätze, die alle von dieser einen Person stammen. E-Mails, Telefonnummern, Krankenakten, Einkäufe, ob er oder sie Brillenträger ist, völlig egal, denn alles heißt alles und das ist ohne Ausnahme.
Was mir persönlich daran Angst macht, ist die Gegebenheit, dass ich heute mit meiner Schwester ein Thema diskutiere (außerhalb des Internets in den eignenen vier Wänden) und morgen kriege ich auf der Yahoo-Startseite sämtliche Beiträge dazu. DAS meine Damen und Herren ist nicht nur einmal oder zweimal passiert. Bedauerlicherweise wurde das zur Häufigkeit.

Anmerkung: „Im Grunde dürfte man doch auch gar nicht mehr Telefonieren.“
Antwort: „Wenn Sie so denken, beginnen Sie schon, sich selbst zu zensieren.“

Fakt ist, wir können uns nicht einmal außerhalb des Internets sicher sein, denn in Amerika gibt es bereits Drohnen, die gezielte Personen verfolgen, über das Smartphone – selbst wenn das GPS inaktiv ist – kann man den Ort herausfiltern, wo sich ein Mensch gerade aufhält und sogar das Einwohnermeldeamt, darf die Daten eines jeden Bürgers an sogenannte „Dritte“ weitergeben.

„Ich habe mich als ich hier in diese Stadt gezogen bin beim Einwohnermeldeamt umgemeldet und es hat keine Woche gedauert, da erhielt ich Werbung von diversen Ärzten zur Vorsorgeuntersuchung und Ähnlichem. Ich habe in der Zwischenzeit weder einen Arzt aufgesucht, noch mich im Internet informiert oder ähnliches. Wie kann das sein?“
Das Einwohnermeldeamt gab anschließend preis, dass es die persönlichen Daten dieser Person an „Dritte“ weiter gegeben hat. Das beinhaltet nicht nur den Namen und den Wohnort, sondern auch das Alter, Anmeldedatum, Telefonnummer usw. So braucht sich auch keiner mehr wundern, warum kurze Zeit später immer ein freundlicher Mitarbeiter von der GEZ vor der Tür steht.

Das sind nicht einfach nur Theorien von Spinnern, Verschwörungsüberlegungen oder dergleichen, nein. Es gibt einen Mann, der uns darüber aufgeklärt hat, dem es wichtig war uns zu INFORMIEREN fern aller Konsequenzen, die er dafür tragen müsse. Edward Snowden.

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Sie alle kennen dieses Gesicht, vergessen Sie es nie mehr! ©Praxis Films

Edward Snowden ist „Citizenfour„. Der US-amerikanische Whistleblower, dessen Enthüllungen uns Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten – überwiegend der Vereinigten Staaten und Großbritanniens, gaben. Im Sommer 2013 führte dies zur NSA-Affäre.

„Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben.“ – Edward Snowden.

Im Januar 2013 begann Snowden unter dem Decknamen „Citizenfour“ der Dokumentarfilmerin Laura Poitras verschlüsselte E-Mails zu senden. Darin bot er ihr Insider-Information über illegale Abhörpraktiken der NSA und anderer Geheimdienste an. Poitras ist dafür bekannt, gesellschaftliche oder politische Missstände in ihren Filmen zu thematisieren. In „Flag Wars“ setzte sie sich mit dem Thema Gentrifikation außeinander, doch seit „My Country, My Country“ befasst sie sich mit den Facetten und Auswirkungen des Krieges gegen den Terror.
My Country, My Country“  war auch der erste Teil einer Trilogie, anschließend folgte „The Oath“ und der dritte und letzte Teil begann mit dem Arbeitstitel „The Programs„. Diese Arbeit behandelte diverse Abhörprogramme in den USA, die in Folge der Terroranschläge am 11. September 2001 gestartet wurden. Die amerikanischen Behörden hatten sie bereits auf dem Schirm und hielten sie bei anzutretenden Reisen immer am Flughafen auf und forderten ihr Filmmaterial zu beschlagnahmen.
Nach längerem E-Mail-Kontakt zwischen ihr und „Citizenfour“ flog sie im Juni 2013 zusammen mit dem investigativen Journalisten Glenn Greenwald sowie dem Geheimdienstreporter des Guardian Ewen MacAskill und ihrer Kamera nach Hongkong, um sich das erste Mal mit dem „Unbekannten“ zu treffen. Weitere Treffen folgten und die dabei gemachten Aufnahmen bilden nun die Basis des Films.
Die New York Times schrieb im August 2013, der Film behandelt Fragen der Terrorismus-Abwehr und die Rolle von Whistleblowern in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts im Angesicht der Überwachung von Nachrichtendiensten. „The Programs“ sollte Parralelen zu Snowdens Werdegang aufweisen, im Jahr 2014 kam der Dokumentarfilm dann mit dem Titel „Citizenfour“ in die Kinos.

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Edward Snowden ©Praxis Films

Am 1. August 2013 gab die Presse bekannt, dass Snowden von Russland Asyl erhalten habe. Am 7. August 2014 habt Edwards Snowdens Anwalt Anatolij Kutscherena bekannt, dass Snowden für die Dauer von drei Jahren, eine Aufenthaltserlaubnis in Russland bekommen werde. Diese gelte seit dem 1. August 2014. Der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck vertritt Snowden in Deutschland.
Snowden könne nach Ablauf von fünf Jahren einen Antrag auf die russische Staatsangehörigkeit stellen.

Für seine Courage und seine Leistung wurde er bereits mehrfach von nichtstaatlichen Organisationen ausgezeichnet und für den Friedensnobelpreis nominiert.

Wer jetzt an 1998 zurück denkt und Will Smith im Bademantel, fliehend vor der US-Regierung, vor Augen hat, liegt damit leider gar nicht so falsch, denn Tony Scotts Film „Enemy of the State“ thematisierte schon damals das Ausmaß einer solch machtübergreifenden Überwachung. Die Drohnen rufen uns James Camerons Serie „Dark Angel“ mit Jessica Alba wieder in Erinnerung und wer das jetzt für Abgedroschen hält sollte aufhorchen bei dem Tatbestand, dass sich das System, Straftaten vorherzusehen aus „Minority Report“ bereits in drei deutschen Bundesländern in der Testphase befindet. Schockierend, wenn Filme auf einmal zu Realität werden und wir uns auch wieder einen Schritt rückwärts in Richtung Stasi bewegen.

Der Film ist ausgeschlossen jedweder Bewertung. Er trifft den Zuschauer im Kern und der Soundtrack geht so durchs Mark, dass er andeuten möge, es komme eine große Bedrohung auf uns zu. Ob das der Fall ist, wird sich zeigen. Ich für meinen Teil, empfehle „Citizenfour“ wirklich JEDEM, möchte mich aber davon distanzieren eine Wertung abzugeben, denn es würde sich anfühlen, als würde ich das Handeln der beteiligten Personen bewerten und dafür würde eine Nummernskale nicht genügen.

Danke an das Kinopolis Landshut, das „Citizenfour“ bereits vor dem offiziellem Kinostart am 6. November gezeigt hat. Danke auch an die Mitglieder von digitalcourage, die sich ausführlich mit der Thematik auseinander setzten und herzlich zu einer Diskussionsrunde im Anschluss des Filmes einlud.

Kinopolis Banner

Mehr Kino gibts hier.

3 Gedanken zu “Citizenfour (OV)

schreib was, ich beiße nicht ;)

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