Pearl Harbor

Pearl Harbor„, schmalziger möchtegern Historienfilm mit bombastischer Action.

Pearl Harbor

Regie: Michael Bay
Darsteller: Josh Hartnett, Ben Affleck und Kate Beckinsale
Genre: Drama, Actionfilm

James Cameron (Avatar), griff sich 1998 ein historisches Ereignis, suchte sich ein Liebespaar und kombinierte beides zu einem fantastischen Epos, das nicht nur romantisch, sondern auch sehr nahe gehend war. Zugegeben, war „Titanic“ ein Remake von Robert Liebermans (The X-Files) Ausgabe, jedoch feierte er große Erfolge.
Nun, 2001 wollte Michael Bay (I Am Number Four) an diesen Erfolg anknüpfen, sozusagen in Camerons Fußstapfen treten.

Der Angriff auf Pearl Harbor am 07. Dezember 1941 eignete sich gut, ein wirklich dramatisches Ereignis und vor allem, wo man viel Action reinpacken kann. Bays Spezialgebiet, wie wir alle wissen. Sicherlich bin ich doch Fan von Bays Explosionen und finde teilweise seine Filme auch gar nicht so schlecht, wie oft gesagt wird.
Aber nun zu seinem Werk „Pearl Harbor„. Die Action ist ausgereift, der Sound ist bombastisch und Hans Zimmers (Inception) Filmmusik ist eine der stärksten, die man je zu hören bekommen hatte. Darstellerisch kann „Pearl Harbor“ auch viel bieten, denn großartige Schauspieler schmücken den Cast. Affleck (Gone Girl), Hartnett (Lucky Number Slevin), Beckinsale (Vacancy), Gooding Jr. (Selma), Voight (Mission Impossible), Baldwin (Rock of Ages), Garner (Catch Me If You Can) und sogar Aykroyd (Ghost Busters) waren mit an Bord. Ein ausgezeichneter Cast, wenn man Affleck wegdenkt und trotzdem keine bemerkenswerte Leistung hervorzuheben.
Was lief also falsch bei „Pearl Harbor„?
Sagen wir mal, dass Randall Wallace (Braveheart) kein so gutes Drehbuch schrieb, wie damals James Cameron, denn es ließ den Schauspielern eigentlich wenig Spielraum um ihr Können zu zeigen. Und das, bei einer Lauflänge von satten 183 Minuten. Arm für so einen langen Film. Der Anfang plätschert völlig öde dahin, der Zuschauer zählt schon die Minuten und fragt sich, wann denn endlich etwas passierte.
Schlimm genug, muss man zudem eine Liebesgeschichte ertragen, die aus einem Kitschroman stammen könnte. Dem Protagonisten Rafe (Ben Affleck) fällt nichts originelleres ein, als seiner „großen Liebe„, die er seit ein paar Stunden erst kennt und schon unglaublich liebt, zu sagen, wie schön sie doch sei.
Viel zu oberflächlich für meinen Geschmack. Die Dialoge waren sowieso sehr haarsträubend, wenn nicht sogar zum Fremdschämen.
Evelyn (Kate Beckinsale) steht praktisch zwischen zwei Kerlen und ich an meiner Stelle frage mich, was das soll? Man kommt sich vor wie in einer schlechten Seifenoper. Okay, wer mich kennt, weis welche Wahl ich treffen würde, aber das hat nichts mit dem Film zu tun, also zurück …

Eine Liebesgeschichte stelle ich mir anders vor. „Pearl Harbor“ ist in dieser Hinsicht einfach zu anstrengend, das Ganze wirkt einen Tick zu unecht.
Die Charaktere sind ebenfalls zu oberflächlich betrachtet. Dannys (Josh Hartnett) Charakter zum Beispiel ist schwer zu durchleuchten, denn von seiner Seite kommt einfach zu wenig. Rafe (Ben Affleck) ist überschaubarer, da man von ihm mehr Charakterzüge zu sehen bekommt. Dies trifft leider aber auch nur auf ihn zu.

Der historische Gedanke war zumindest da, doch stimmen tut nicht viel daran. Es ist mir zum Beispiel unklar, wohin der Flug der Piloten nach dem Anschlag auf ‚Pearl Harbor‚ führen sollte. Klar nach Japan, aber diese Aktion habe ich nirgends in der Geschichte erlesen können. Vielleicht hab ich es überlesen.
Auch politisch ist der Film ein wenig zu flach gehalten, die ganzen Strategien und die Hintergrundinfos fehlen einfach.

Wallace setzte hier mehr auf Krieg und Action. Im DC bekommt man weniger Dialoge, dafür mehr Blut und abgetrennte Körper, bis hin zu herausfallenden Gedärmen. Klar es ist Krieg, aber das muss doch nicht sein. Wenn man bei sowas so authentische Bilder liefern muss, dann sollte man auch den Inhalt der Geschichte besser durchleuchten.

Hinzu kommt, dass der Film zu dick aufträgt, was den amerikanischen Stolz und Patriotismus angeht. Klar, sind die Amerikaner sehr stolz und legen Wert auf Ehre und Patriotismus, doch möchte man aufstoßen, denn hier in Bays „Historienstreifen“ bekommt man es bis zum Erbrechen.

So hat „Pearl Harbor“ schon ein paar gute Aufnahmen. Die Sonnenuntergangsbilder sind wirklich was fürs Auge und auch so hat man gute Perspektiven geschaffen und schöne Bilder eingefangen.
Technisch betrachtet, sind die Effekte wirklich gelungen, aber Bay ist sowieso ein Spezialist auf diesem Gebiet. Der Himmel und manche Hintergründe sahen nur etwas zu HDR aus und machten den Anblick unecht.

Pearl Harbor„, zu lange, zu unecht, zu kitschig auch wenn er hin und wieder zu Tränen rührt!

©Jerry Bruckheimer Films


Wer ihn trotzdem liebt und noch nicht zu Hause hat …
DVD
DVD – Directors Cut (mehr Blut, mehr Gedärme)
Bluray
Soundtrack < der ist übrigens ein Muss, wirklich was schönes für die Ohren.

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13 Gedanken zu “Pearl Harbor

  1. filmschrott schreibt:

    Der Film ist so unglaublich furchtbar, dass mir die Worte fehlten, nachdem ich diesen Müll damals gesehen habe. Dabei hätte man daraus ja wirklich einen guten Kriegsfilm machen können. Cool wäre zum Beispiel gewesen, wenn man da svielleicht so wie Clint Eastwood mit Flags und Letters aufgezogen hat. Jeweils ein Film aus Sicht der Amerikaner udn einer aus Sicht der Japaner. Hätte sich hier wirklich angeboten.

    Gefällt 1 Person

    • ginadieuarmstark schreibt:

      Na wenn man das Konzept so umgesetzt hätte, wie du sagst hätte wohl Clint Eastwood und nicht Michael Bay Regie führen müssen. Ich sehe da immer so einen Zusammenhang zu TITANIC. Der kam mit Katastrophe und Liebespäärchen gut an, das können wir doch auch. Tja .. oder auch nicht. Ich fand ihn nach dem ersten Mal im Kino sogar fantastisch. Was soll ich sagen .. ich war jung und beeinflussbar ….

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