Das Ende des Tages

Die Sonne geht unter, noch benetzen die letzen Sonnenstrahlen den Asphalt. Ein zarter, goldener Schimmer liegt auf dem Kopfsteinpflaster der alten Stadt, Regentropfen perlen sich auf den großen, feuchten Steinen ab. Es beginnt ganz langsam erst wieder zu regnen. Tropfen für Tropfen wäscht das Wasser die Sonnenstrahlen hinweg und machen Platz für die Dunkelheit.
Ich starre in den Himmel, den Kopf auf das harte Pflaster gebettet, die Arme von mir gestreckt. Ich atme schwach, mein Leib blutet wie einst der Leib Christie. Ich blicke der Sonne nach, die nun langsam hinter den Häusern im Abgrund verschwindet und lebe wohl zu mir sagt. Lebe wohl. Welch sarkastischer Gedanke.
Meine Lider flackern, Blut rinnt an meinem Kinn hinab, schmecke es an den Lippen, in meiner Mundhöhle. Ich blinzle, doch erkenne ich nichts. Die Nacht breitet sich wie ein Schleier über die Stadt, verschluckt das goldene Pflaster und lässt es in einem tristen und leblosen Grau zurück. Ein Schmerz durchzuckt meine Brust, lähmt meine Gedanken.
Der Regen benetzt mein Gesicht, ergießt sich auf meiner Haut und spült das dickflüssige, schwarzrote Gut von meinem Körper, wäscht es von den Pflastersteinen und lässt es im Gully versinken. Mein Herz schlägt flach in meiner Brust, die Augen verdrehen sich, verschwimmen mir den Blick, nehmen mir die Sicht. Langsam wende ich den Kopf und erhasche einen dunklen Schatten, der nun neben mir verweilt. Mein Peiniger, mein Mörder wartet geduldig. Wartet, bis mein letzter Atemzug die Luft vibrieren lässt, bis mein letzter Herzschlag durch die Gassen hallt.
Mit der unermüdlichen Geduld eines Jägers steht er da und lauscht; lauscht dem Regen, dem Untergang. Übermächtig, unnatürlich und überirdisch schön blickt er auf mich herab, voller Sehnsucht auf das, was noch folgen möge.

Ich sterbe. Langsam. Qualvoll. Und nichts auf dieser grausamen und verbitterten Welt kann dies noch ändern, die Zeit zurück drehen. Ich sterbe. Allein, doch neben mir eine Bestie, die das Sonnenlicht fürchten sollte und doch noch die letzten Strahlen genießen konnte. Ich sterbe, schließe die Augen nun für immer und erwache erneut, sehe die Welt nun klarer, höre sie atmen und spüre den Erdboden vibrieren.
Langsam stehe ich auf, richte meine Kleidung und schaue mich um. Mein Mörder lächelt mich an, winkt mir ihm zu folgen und so stürmen wir gemeinsam in die Tiefe der Dunkelheit, denn wir sind die Kinder der Nacht.

iwtv-0167

©Geffen Pictures

9. September  2012


Hommage an Anne Rices „Interview with the Vampire – The Vampire Chronicles

7 Gedanken zu “Das Ende des Tages

schreib was, ich beiße nicht ;)

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