Mr. Nobody

„Alles was wir sehen gibt es auch, weil wir es ja sehen können!“ Ich sehe meine Hände, aber nicht meinen Körper. Gibt es mich wirklich?“
Diese Frage stellte ich mir als Kind auch immer und noch heute mache ich mir Gedanken darum. Warum erblicke ich aus genau diesen Augen? Warum bin ich ich? Wieso bin ich eine Frau und kein Mann? Warum besitze ich diesen Körper und keinen anderen? Warum lebe ich dieses Leben und kein anderes? Alles Fragen, auf die niemand eine Antwort kennt.

Ist die Entscheidung gefallen, kann man nicht mehr zurück, fällt man jedoch keine, stehen noch alle Möglichkeiten offen.

Jaco van Dormael (Le huitième jour) befasste sich zunächst in einem Kurzfilm mit diesem Thema, bis er sich schließlich doch dazu entschied, diese Thematik in einen Film zu packen. Als er mit der ersten Ausarbeitung fertig war, war er jedoch ein wenig von dem Thema des damaligen Films abgewichen und sprach sich vorerst auch gegen eine Produktion aus, da sich Filme wie „Butterfly Effect“ und „Lola rennt“ schon mit ähnlichen Motiven befassten. Schließlich begann im Februar 2007 doch die Vorproduktion mit dem Casting der 28-jährigen Sarah Polley (Take This Waltz), woraufhin weitere Hauptdarsteller folgten. Somit begannen am 4. Juni 2007 die 25 wöchigen Dreharbeiten zu „Mr. Nobody“.

Mit „Mr. Nobody“ musste ich erst einmal warm werden, empfand ihn damals sogar als recht langweilig. Doch je öfter ich diesen Film sehe um so mehr gefällt er mir. Nicht nur die fantastische Geschichte machen den Film zu etwas besonderem, nein er glänzt auch mit einem ausgezeichnetem Cast und man entdeckt jedes Mal neue Erkenntnisse oder Kleinigkeiten in den Kulissen, die begeistern. Van Dormael spielt hier vor allem mit Kameratechniken, aber auch mit Farben und Perspektiven. Je nachdem welche Wahl sein Hauptcharakter Nemo Nobody (Jared Leto, Toby Regbo: 15-jähriger Nemo und Thomas Byrne: achtjähriger Nemo) trifft, so haben die Kulissen immer andere Farben. In der Zeit, in der Nemo acht ist, ist noch alles bunt, da er ein Kind ist, aber auch noch keine schwerwiegende Entscheidung treffen musste. Diese tritt ein, als sich seine Eltern scheiden lassen wollen und ihm die Frage gestellt wird, ob er nun zu Mutter (Natasha Little) oder zu Vater (Rhys Ifans) wolle. Ab diesem Abschnitt beginnt eine kreative Reise eines Erzählers, der sich mit der Chaostheorie beschäftigt. Nemo wählt einmal ein Leben bei seiner Mutter, später mehr oder weniger durch einer Kette Zufälle, ein Leben bei seinem Vater. Außerdem heiratet er auch drei Frauen, deren gemeinsames Leben einmal in Gelb mit Jeanne (Linh Dan Pham), einmal in Blau mit Elise (Sarah Polley) und einmal in Rot mit Anna (Diane Kruger) erzählt wird. In diesen verschiedenen Leben wechselte Jaco van Dormael auch die Kameratechnik, so wurde im Leben mit Elise größtenteils eine Handkamera verwendet und oft mit Unschärfen gearbeitet, da Nemo und Elise eine unmerkbare Distanz haben. Faszinierend ist die Arbeit in den Szenen mit Jeanne, denn diese ist oft nur unscharf und schemenhaft zu erkennen, da Nemo, Jeanne nicht so richtig wahrzunehmen scheint. Hier wurden meist Nahaufnahmen des Hauptdarstellers genutzt.
Somit gewinnt der Film für mich immer mehr Anreiz was den künstlerischen Aspekt angeht.

Traumhaft schön ist auch der Soundtrack, der neben dem fantastischen „God yu tekkem laef blong mi“ auch jede Menge alter Klassiker wie „Mr. Sandman“ von The Chordettes beinhaltet. Einziger Dorn in meinem Auge ist „99 Luftballons“ von Nena. Ich weis nicht was man mit diesem Song hat? Auch in „Watchmen“ passte er nicht so recht rein.

„Bevor wir geboren werden, wissen wir alles! Alles, was geschehen wird. Wenn man an der Reihe ist, legen einem die Engel des Vergessens einen Finger auf den Mund „Schschsch“. Das hinterlässt einen Abdruck auf der Oberlippe und das bedeutet, dass man alles vergessen hat …“

Im Grunde war die Wahl immer die Richtige, denn wir haben es so bestimmt und unser Leben kreieren wir selbst, sind selbst dafür verwantwortlich. Vielleicht erinnern wir uns aber auch nur ganz kurz an die Zeit, bevor wir geboren wurden und wählen desshalb so, weil wir schon wussten, was geschehen würde. Zum Guten oder zum Bösen hin.

Jared Leto (Dallas Buyers Club) meistert auch diese Rolle mit Bravour. An seiner Seite,Diane Kruger (Troy), die gekonnt das jungendliche und erwachsene Leben von Anna verknüpfen kann. Rhys Ifans (Notting Hill), Natasha Little (Welcome to the Punch), Linh Dan Pham (Ninja Assassin), Toby Regbo (Maleficent), Juno Temple (Far from the Madding Crowd) und Thomas Byrne füllen den übrigen Cast, harmonieren nicht nur fantastisch, sondern hauchen ihren Charakteren gekonnt Leben ein und füllen diese perfekt aus. Sarah Polley (Splice) glänzt besonders in ihrer Darbietung der depressiven Elise.

Gegengelesen habe ich ihn jetzt nicht nochmal, ihr wisst ja, wer Fehler findet, darf sie gerne notieren und jemandem schicken, den er nicht leiden kann.

 ©Climax Films

Dieser Text nahm an der Moviepilot Gewinnspielaktion „AKTION LIEBLINGSFILM 2015“ teil.

(Klick Das Bild und du wirst sehen)

Aktion Lieblingsfilm L'effet Papillon Cover

© Climax Films, Passion of Arts Design, Webedia

7 Gedanken zu “Mr. Nobody

schreib was, ich beiße nicht ;)

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