#WritingFriday: Siberia

Heute möchte ich, dass du dir etwas Zeit nimmst, denn meine Geschichte zum dieswöchigen #WritingFriday, einer Schreibaktion von Elizzy vom Blog Read Books and Fall in Love, fällt etwas länger aus als gewöhnlich. Ich habe das Thema „Schreibe das Ende einer Geschichte, ohne zu erzählen wie das ganze begonnen hat.“ gewählt und hoffe, du wirst spannend finden, was ich geschrieben habe. Viel Spaß dabei! 

„Ach, ich brauche bloss ein gutes Dach über den Kopf und ein kühles Bier, dann hab ich schon alles zum glücklich sein“, merkte Greta an und zauberte Romy damit ein Lächeln ins Gesicht. Es tat gut, sie mal wieder lächeln zu sehen, nach all den Strapazen, die sie seit ihrem Aufbruch aus New York auf sich nehmen mussten. „Miiir iiiist sooo kaaaalt“, wimmerte indessen Mandy und gerade wollte sie noch etwas sagen, als Finn seinen Zeigefinger auf die Lippen legte und „schscht“ raunte. Schlagartig waren alle still und gingen in Lauerstellung hinter den Bäumen. „Da drüben sind Leute“, flüsterte Finn und die drei Mädels folgten seinem Fingerzeig. Ein Stück entfernt standen drei Männer und eine Frau um ein Auto herum und unterhielten sich. Die Frau trug ein kleines Bündel in ihren Armen. „Was sagen sie?“ Fragte Romy doch Finn antwortete nur nüchtern: „Keine Ahnung, ich verstehe und spreche kein Russisch.“
„Ich glaube die Frau trägt ein Baby“, merkte Romy an, doch Finn war nicht ganz wohl. „Vielleicht auch nicht, lasst uns in eine andere Richtung gehen.“„Aber sollten wir ihnen nicht helfen? Sie stecken offenbar im Schnee fest!“ Protestierte Romy und machte sich vor allem um das Baby Sorgen. Sie war sich sicher, dass sie helfen konnten. Finn schüttelte jedoch energisch den Kopf und als Mandy bemerkte, dass die Leute ein Auto hätten und sie vielleicht auch mitnehmen könnten, kehrte er nur noch mehr in sich ein. „Wir wissen nicht, was das für Leute sind!“ Gab er mit Nachdruck zu bedenken und hoffte die Mädchen endlich zum weiter gehen bewegen zu können. Romy war jedoch in Diskussionslaune und brauste etwas zu laut auf, als sie sagte „Was ist los mit dir Finn, sonst warst du auch immer dafür, anderen zu helfen!“
„Ja, das war bevor wir fast von einem Haufen Irrer den Zombies geopfert worden wären!“ Gab er Konter, doch Romy wollte noch nicht einlenken. „Aber warum sollten die das machen?“
„Keine Ahnung. Vielleicht wollen sie mal wieder Fleisch und fangen an uns zu zerhacken!“
Mandy begann im Schnee auf und ab zu hüpfen um die Aufmerksamkeit aller zu erhalten, „aber die haben ein Auto!“
„Sei still Mandy, vermutlich passen wir dort alle gar nicht hinein, außerdem kann keiner von uns russisch.“ Merkte Finn an und hoffte, diese Argumente würden zünden. „Da ist was dran“, mischte sich nun auch Greta ein und wollte noch etwas anfügen, doch Mandy unterbrach sie: „Leute seid ihr alle irre? Ihr wollt lieber weiter durch den Schnee stapfen und eventuell erfrieren?“
Finn betete inständig, sie würde etwas weniger hysterisch und vor allem leiser sprechen. Einer der drei Männer bewegte sich und trat etwas mehr in Romys Sichtfeld. Er trug eine AK mit sich, was ihr nicht ganz geheuer war. Schließlich lenkten die Mädchen ein und die Truppe watete weiter durch den Schnee. Mandy wimmerte und jammerte bei jedem Schritt, was Greta fürchterlich auf die Nerven ging. Sie wünschte, sie hätte so viel Geduld und Ruhe wie Finn. „Da vorn scheint eine Straße zu sein“, sagte dieser gerade und alle folgten seinem Blick. Endlich mal etwas Gutes, immerhin konnte man an einer Straße viel besser gehen, als Kreuz und quer über Land. Die Vier hofften inständig, dort würde weniger Schnee liegen und vielleicht würde die Straße alsbald zu einem neuen Ziel führen. Plötzlich stolperte Romy über einen großen Stein und fiel der Länge nach hin. So schnell es sein zerschundenes Bein es zuließ, eilte Finn zu ihr und kniete sich umständlich in den Schnee. „Alles in Ordnung?“ Fragte er, doch Romy standen die Tränen in den Augen. Der Knöchel war verstaucht, da konnte man nichts machen. „Was jetzt?“ Fragte Romy mit betretendem Gesicht in die Runde und Finn beschloss, sie einfach Huckepack zu nehmen. „Spinnst du?“ Protestierte Greta, „du hinkst doch noch und musst dich selber schonen!“
„Was schlägst du sonst vor? Wir können sie ja nicht hinterherschleifen oder einfach hier lassen.“
„Wir könnten es so machen wie ich, als ich dich von der Felsspalte zu dem Haus transportiert hatte“, schlug Greta vor, doch ein ohrenbetäubendes Geräusch von der Straße unterbrach ihre Konversation. Ein Panzer passierte die Straße, dicht gefolgt von mehreren, russischen Militärfahrzeugen. Mandy rannte ohne nachzudenken dem Panzer entgegen und schrie aus vollem Halse um Hilfe. „Mandy nicht!“ Versuchte Finn sie aufzuhalten, doch Mandy hörte ihn nicht und winkte aufgeregt mit den Armen. „Greta!“Finn nahm die Tasche, die sie mit sich trugen, reichte sie ihr und forderte:“ Nimm alle Waffen, tu sie hier rein und hüte sie wie deinen Augapfel.“ Greta nickte und kam seiner Aufforderung nach. Der Konvoi blieb indessen stehen und Romy verstand Finns Reaktion nicht. „Was ist? Wenn das das Militär ist, werden die uns sicher helfen.“ Der Meinung war auch Mandy, die noch immer mit den Armen wedelnd vor den Fahrzeugen rumhopste und nach Hilfe schrie. Einer der Russen öffnete die Tür des Wagens und stieg aus. „Na wen haben wir da? Gruß euch Lady. Wie wir können helfen?“ Fragte er im schlechten Englisch und musterte Mandy von oben bis unten mit gierigen Blicken. Finn nahm sich einen Stock, der in der Nähe lag und hievte sich hoch. Der Fuß schmerzte noch immer und obwohl der kleine Zeh nun fehlte, pulsierte die Stelle wie ein schlagendes Herz. Er nahm Romy beim Ellenbogen und zog sie ebenfalls hoch.
„Wer ist wir meine Teure?“ Wollte er von Mandy wissen und sein Kollege deutete mit einem Kopfnicken in Richtung der anderen. „Ich und meine“, sie überlegte kurz, was wohl die richtige Wortwahl wäre, „Freunde“, sagte sie dann und zeigte auf die anderen drei. „Aaa, Freunde“, bestätigte der Mann. „Ja und eine ist verletzt, sie hat sich den Fuß verstaucht. Bitte, Sie müssen uns helfen“, säuselte Mandy, drehte eine Haarsträhne mit dem Finger ein und klimperte mit den Augen.
„Bring deine Freunde her Schätzchen , wir nehmen euch mit“, sprach er mit starkem Akzent und Mandy winkte Finn, Romy und Greta aufgeregt heran. Endlich müsste sie nicht mehr laufen und sicherlich war es im Auto warm. „Vielen, vielen Dank“, meinte sie überschwänglich doch Finn war die ganze Situation nicht behaglich. Er haderte noch damit, ob sie lieber weglaufen oder den Männern einfach vertrauen sollten. Alle Fasern seines Körpers schrien, sie sollen laufen, doch Greta meinte, dass sie jetzt unmöglich nein sagen könnten. Vor allem auch, weil Romy wirklich nicht gut zu Fuß war und Finn war nicht gerade besser. Möglicherweise war dies auch ausnahmsweise mal eine glückliche Fügung.
„Aber wir bleiben dicht zusammen“, knirschte Finn mit den Zähnen und Greta und Romy waren einverstanden. Der Russe bemerkte das Zögern der anderen drei und ermunterte sie „kommen sie nur, keine Scheu. Wir von Militär, unsre Pflicht zu helfen.“ Mandy ließ sich das nicht zweimal sagen und hüpfte in eines der Autos. Der Mann, der mit ihnen gesprochen hatte, gab zwei seinen Männern Anweisungen auf Russisch, woraufhin diese ausstiegen und den Mädchen beim einsteigen halfen. Finn setzte sich neben Greta, der Russe saß ihnen direkt gegenüber. „Kommandant Ivan Milivcek“, stellte er sich vor und reichte Finn die Hand. Dieser gab nur kurz seinen Vornamen bekannt, ebenso wie Greta und sie schüttelten sich die Hände. Der Konvoi startete wieder und die Fahrt ging weiter. Greta behielt währenddessen die Tasche stets bei sich.
„Kommen Sie aus England?“ Begann Ivan Konversation.
„Ja, wir alle!“ Antwortete Finn wie aus der Pistole geschossen .
“ Aber dann ihr hier in falscher Richtung. Was machen hier in Sibirien?“
„Urlaub“, sagten Finn und Greta gleichzeitig und Ivan runzelte die Stirn. „Wirklich? Hier in Sibirien?“
„Es handelte sich um ein Naturforschungsprojekt“, erklärte Finn, „deswegen waren wir auch so weit draußen. Einige unseres Teams sind umgekommen als wir überrascht wurden von …“
„Diesen Viechern, ich weis“, vollendete Ivan seinen Satz. „Schrecklich diese Dinger.“
Finn pflichtete ihm mit einem Kopfnicken bei und fügte noch an: „Wir sind dann in den Wald geflohen ..“
„Gefährlich!“ Unterbrach Ivan, „haben keine anderen Männer überlebt?“
„Doch noch zwei, aber Marshall ist verblutet und Hank ist letzte Nacht erfroren.“ Mandy fragte sich die ganze Zeit, warum Finn solche Geschichten erfand, sie waren auf gar keinen Fall ein Forscherteam, aber sie hielt sich lieber zurück. Keineswegs wollte sie Finn und Greta, die ihm immer bei allem zuzustimmen schien, als Lügner auffliegen lassen.
“ Wir fahren nach Orenburg, wo wollen Sie hin?“
„St. Petersburg.“
„Ooh, das ist ganz schön weit und eine andere Richtung.“
„Das macht nichts“, schaltete sich nun Greta auch in das Gespräch ein, „wir finden schon einen Weg“.
Zwei Stunden später hielt der Konvoi erneut, “ Wir rasten hier“, erklärte Ivan, stieg aus dem Wagen und gab Befehle. „Kommen Sie nur, wir haben Essen und zu Trinken“, sagte er dann an Finn und die anderen gewannt und Mandy lief förmlich schon das Wasser im Mund zusammen. Finn war noch immer skeptisch und misstrauisch, als die Mädels ausstiegen und einer der Soldaten Romy aus dem Auto hob, ließ er keine davon aus den Augen. Wenn es sein musste, würde er sie alle mit seinem Leben beschützen. Sie waren in einem kleinen Dorf angekommen, das Menschenleer war. Auch hier hatten die Zombies gewütet, vertrocknete Blutspuren an den Wänden, zerrissene Vorhänge und etwas weiter hinten brannte noch ein kleines Feuer, von dem Haus davor war kaum noch etwas übrig. „Ich lasse Ihnen Schlafzimmer herrichten“, bot Ivan an, „es sind genug für alle da.“ Finn kam dem Angebot jedoch nicht entgegen und sagte: „Wir schlafen alle in einem Zimmer!“
„Wie? Alle in einem?“
„Ja!“
Ivan lachte über Finns Einwand, „aber das geht doch nicht …“
„Es muss!“
Die Mädels waren irritiert bezüglich Finns Reaktion, vor allem, weil sie ihn so gar nicht kannten. Er war immer risikobereit, mutig und offen gewesen, doch nun schien er vor Misstrauen nur so zu sprühen. „Verstehen Sie mich nicht falsch Sir“, begann er zu erklären, „wir wollen keine Umstände machen und ihren Männern den Platz wegnehmen. Andererseits hat sie hier“, er deutete auf Greta, „schweres Asthma und hat nachts Anfälle.“ Greta ging sofort auf die Lüge ein und nickte bekräftigend. „Ich habe einen guten Arzt“, meinte Ivan, doch Finn winkte ab: „Wenn sie einen Anfall hat, ist sie so verkrampft, dass sie niemanden außer einen von uns an sich ran lässt.“
„Dann kann die schöne Brunette bei ihr bleiben“, meinte Ivan und deutete auf Mandy.
„Oh sie? Nein, sie ist schusselig und gerät in solchen Situationen schnell in Panik, dann noch eher die Blonde, aber die ist ja verletzt, kann ihr also nicht gut helfen. Diese allerdings kann aber auch nicht mehr alleine schlafen“, er beugte sich etwas näher zu Ivan heran und raunte ihm zu: „Sie hat schwere Alpträume und schreckliche Schreianfälle und Schweißausbrüche in der Nacht.“
Ivan lenkte ein und ließ für alle in einem Zimmer Matratzen bereit legen, auf denen sie schlafen konnten. Finn schien erleichtert, zumindest vorerst. Nachdem sie gegessen hatten begaben sie sich alle in das für sie eingerichtete Zimmer um sich schlafen zu legen. Einer der Soldaten legte gerade Romy auf eine Matratze und zog sie förmlich mit den Augen aus. „Okay, das ist genug, danke“, sagte Finn um ihn los zu werden“Spasibo!“ Wiederholte er noch einmal auf Russisch und machte dem Mann klar, dass er nun verschwinden solle. Finn schloss hinter ihm die Tür und war dankbar, dass es einen Schlüssel gab. Greta setzte sich auf eine Matratze, legte die Tasche mit den Waffen, die sie seither nicht aus den Augen gelassen hatte, an das Kopfteil und legte das Kissen, dass sie bekommen hatte davor. Dann machte sie es sich gemütlich und war dankbar, nicht auf dem Boden schlafen zu müssen, oder gar im Schnee zu liegen und zu erfrieren. Indessen trat Finn an Mandy heran, packte sie bei den Schultern und sagte ihr mit eindringlichem Blick: „Mandy! Tu sowas nie wieder hörst du?“
„Wieso? Was ist denn los und wieso müssen wir alle in einem Zimmer schlafen? Ich habe uns doch alle gerettet“, konterte sie.
Romy pflichtete ihr bei: „Ja, ich weiß nicht was du hast? Ist es nicht gemein, etwas schlechtes von ihnen zu denken? Außerdem haben sie uns doch so geholfen.“
„Romy, das sind ‚Männer'“, er betonte das Wort mit Nachdruck, „kein Mensch weiß, wie lang die schon unterwegs sind, wo die her kommen und Mandy, du bist die erste, die jammert wenn sich einer von denen an dir vergeht!“ Soweit hatte keines der Mädchen gedacht, es ging Finn allein darum, dass die Männer in Sachen Sex ausgehungert sein könnten und manche könnten sich einfach nehmen, was sie brauchten, ohne dabei an die Gefühle der Frauen zu denken. Man konnte Finn verstehen, aber auch wegen seines Misstrauens, denn immerhin hatten sie seit dem Ausbruch der Krankheit nur wenige Menschen ohne Hintergedanken getroffen. „Aber das würde der nette Offizier doch nie tun!“ Jammerte Mandy, doch Finn gab nicht nach: „Und warum war er so erpicht darauf, getrennte Zimmer zu verteilen? Romy ist schwach, wir alle sind erschöpft und ehrlich gesagt, hab ich wirklich keine Kraft mehr, mich mit euch darüber zu streiten. Wir sind zusammen, das alleine ist wichtig!“
Mandy gab noch nicht auf und merkte an: „Vielleicht wollte er, dass wir es schön haben und jeder seine Privatsphäre?“ Finn rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Stelle über der Nase, zwischen den Augenbrauen und Greta vermutete schon, er würde zum ersten Mal, seit sie sich begegnet waren die Geduld verlieren. Stattdessen gab er Mandy keine Antwort mehr, setzte sich mühselig auf den Schlafplatz zwischen Mandy und Greta und zog sich langsam, mit schmerzverzerrtem Gesicht, den rechten Schuh aus. Greta beobachtete ihn. Vier Tage war es nun her, als sie glaubte er wäre tot, nachdem der Boden unter seinen Füßen nachgab und er in die Felsspalte rutschte. Sie war froh, entschieden zu haben, zurück zu gehen und ihn mehr oder weniger lebend fand. Das einzige was er einbüßen musste waren zwei Zehen, doch wenn sich die Wunde entzündete, konnte er den Fuß oder gar sein Leben verlieren. „Wie geht es deinem Fuß?“ Wollte sie wissen, doch er schenkte ihr nur ein schräges Lächeln und winkte beiläufig ab, „tut weh, sieht aber nicht schlimm aus.“
Erschöpft legte er sich zwischen die beiden Mädels und starrte an die Decke, Greta beobachtete ihn im Halbdunkel und wünschte sich den Moment von heute morgen in der Pension zurück. Für einen kurzen Moment hatte sie alles vergessen, die Zombieapokalypse, den Tod geliebter Menschen und die grausamen Dinge, die sie seither erlebt hatten. Heute morgen schien die Welt perfekt, als sie neben Finn in warme Laken gehüllt lag und sie ihm sagen wollte, dass sie ihn liebte. Doch sie behielt es doch noch für sich, denn sie war sich nicht sicher, ob er ebenso empfand. Ein Geräusch an der Tür riss sie aus ihren Gedanken, jemand versuchte in ihr Zimmer zu gelangen. Finn setzte sich sofort kerzengerade hin, sein Messer in der Hand. Der Eindringlich merkte jedoch, dass er keine Chance hatte hinein zu kommen, ohne reichlich Lärm zu machen. Anscheinend wusste derjenige nicht, dass hier noch ein Schlüssel in der Tür steckte. Er ließ von der Tür ab und ging davon. Finn wendete sich flüstern zu Greta: „Wir müssen hier weg!“
„Jetzt?“
„Nein, nicht jetzt, aber so schnell wie möglich!“ Am liebsten wäre er schon sofort aufgebrochen, er hatte nur keinen Plan. „Wie stellst du dir das vor?“ Fragte Greta prompt und er hatte keine Ahnung. Romy war verletzt, er selbst war auch nicht gut zu Fuß und mit Mandy im Schlepptau ist sowieso alles problematisch, da sie nicht so gescheit war. Immerhin hatten sie eine Tasche voller Waffen, aber für eine Kamikaze-Aktion waren es zu viele Soldaten. „Wir bräuchten ein Fluchtauto“, überlegte er laut.
„Ja“, antwortete Greta, „aber die werden ja nicht einfach den Schlüssel stecken gelassen haben.“
„Dann schließen wir das Auto kurz.“
„Kannst du sowas?“
Finn zog die Stirn in Falten „Möglicherweise …“
„Also nein!“ Meinte Greta und er stimmte ihr zu und seufzte.
„Was wenn ich mich an einen der Wachen ran mache und ihm den Schlüssel klaue?“ Schlug Greta vor, doch Finn war überhaupt nicht begeistert von dieser Idee. Nach längerer Diskussion kamen sie dennoch zu dem Schluss, dass das die einfachste Lösung war, selbst wenn sie Finn so gar nicht behagte. So schlich sich Greta aus dem Zimmer und erspähte draußen ein Auto, bei dem sich sogar einer der Wachen herumtrieb. Sie öffnete ihr Haar und wuschelte es durch, rückte ihre Kleidung zurecht und hoffte, dass sie attraktiv genug für den Söldner aussehen würde. Lasziv näherte sie sich ihm und er zog sie sofort mit den Augen aus. Es dauerte nicht lange, ehe sie ihn mit einer kleinen Flirterei und ein bisschen aus seiner Vodkaflasche rumgekriegt hatte und er begann auf der Rückbank an ihr rumzumachen. Er war so beschäftigt, dass er nicht merkte, wie sie ihm den Schlüssel stibitzte. Dann nahm sie die Flasche und haute sie ihm mit voller Wucht auf den Kopf. Der Mann bracht bewusstlos auf ihr zusammen, sie schob ihn von sich runter und huschte so schnell sie konnte zurück zu den anderen. Finn hatte inzwischen die anderen Mädels, die schon geschlafen hatten, geweckt und war startklar. „Gut gemacht“, meinte er zu Greta, als diese siegessicher mit dem Schlüssel wedelte, auch wenn ihm das Ganze eindeutig zu lange gedauert hatte. Er gab Greta die Tasche, schob Mandy aus der Tür, die laut protestieren wollte, doch er konnte es noch schnell genug unterbinden. „Sei leise, wir müssen gehen!“
„Hätte das nicht bis morgen früh warten können?“ Nörgelte sie, gehorchte aber. Finn nahm Romy und trug sie zum Auto. Greta zog langsam den Wachmann von der Rückbank und legte ihn neben dem Auto ab. Dann gab sie Finn die Schlüssel, der Romy auf die Rückbank gesetzt hatte. Sie war viel zu müde zum Fahren und sie wusste, Finn war ein guter Fahrer und in brenzligen Situationen bewahrte er immer einen kühlen Kopf. Er hatte sie dadurch schon einmal mehr aus einer heiklen Situation gerettet. Greta kletterte auf den Beifahrersitz, Finn startete den Wagen und gab Rückwärts Vollgas. Sofort waren die Soldaten alle auf den Beinen und stoben aus allen Richtungen auf sie zu. Finn ließ sich nicht beirren und fuhr mit Karacho rückwärts aus dem Dorf raus. Kurz vor Ende machte er mit dem Wagen eine 180° Grad Wendung, blieb kurz stehen und preschte dann volle Kraft voraus. Ein paar Russen kletterten in Windeseile in einen Wagen, fuhren hinterher und eröffneten das Feuer. Mandy schrie wie am Spieß und Romy hielt sich die Ohren zu. Die Heckscheibe ging zu Bruch und sie zog sich nur noch weiter in den Sitz hinein. „Ich könnte versuchen auf sie zu schießen!“ Schlug Greta vor und Mandy konterte, dass sie völlig verrückt sei. Doch Greta hörte nicht, sie packte schon eine Waffe aus und gab Gegenfeuer. Sie versuchte auf die Reifen zu zielen, doch die Straße war so holprig, dass sie immer daneben schoss. Finn fuhr konzentriert weiter und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Mandy panisch schrie, sie würden immer näher kommen. Ruhig legte Greta noch einmal das Gewehr an und endlich traf sie einen der Reifen. Da die Fahrbahn inzwischen immer rutschiger wurde, kamen die Soldaten sofort ins Schleudern und überschlugen sich. Aber hinter ihnen war noch ein Fahrzeug, das schnell aufholte. Greta versuchte weiter ihr Glück, doch die Straße wurde immer unebener und das Gewehr hüpfte nur noch auf und ab. Plötzlich schoss das hintere Fahrzeug vor und rammte das Heckteil des ihren. Das Auto geriet ins Schleudern und Finn konnte kaum noch die Kontrolle halten. Den Russen ging es ähnlich, sie schossen regelrecht an ihnen vorbei, übersahen eine Eisplatte, rutschten gegen die Leitplanke und schossen über ihr Ziel hinaus. Dort an der Straße eröffnete sich eine riesige Schlucht, in die die russischen Soldaten mitsamt ihren Wagen hinabsegelten. Finn konnte gerade so an dem Loch, dass sie mit ihrem Auto in die Leitplanke gerissen hatten, vorbei, aber auch sein Vehikel rutschte zu arg, sodass es an einer anderen Stelle an die Leitplanke schlug. Mit voller Wucht prallte es mit der linken Seite dagegen, kippte, die Tür schwang auf und Finn viel hinaus.
Für den Bruchteil einer Sekunde hörte Gretas Herz auf zu schlagen, sie sah alles nur noch wie durch einen dichten Nebel und konnte nicht glauben, dass er einfach so aus dem Auto gefallen und in die Schlucht gestürzt war. Stille umgab sie, sie spürte noch das Vibrieren des Motors, sah wie in Trance kleine Schneegestöber, die sich in der Luft tummelten. Auch Romy war wie erstarrt und merkte nicht, dass der Platz neben ihr frei war. Ein Geräusch drang an Gretas Ohr, wie eine Kettensäge, Fingernägel auf der Tafel, ein unerträgliches Quietschen. Langsam erwachte sie aus ihrer Trance und merkte, dass es Schreie waren. „Hilfe, Hilfe! Bitte halte mich fest, ich will noch nicht sterben!“
Langsam beugte sich Greta über den Rand des Fahrersitzes und erblickte eine Hand, die sich am Türgriff festgeklammert hatte. Sie hielt die Luft an und wagte noch einen Blick, doch das Fahrzeug begann gefährlich zu kippen. Schnell erhaschte sie einen Blick auf das Szenario, das sich unter ihr bot. Finn hatte sich mit der linken Hand an den Türgriff geklammert, während er mit der anderen krampfhaft Mandy festhielt, die panisch strampelte und schrie. Doch Greta fuhr zurück, aus Angst das Auto würde umkippen und sie alle in die Tiefe reißen. „Romy, lehne du dich dagegen und versuche alles Gewicht auf die Gegenseite zu lenken. Ich versuche die beiden hochzuziehen.“ Romy nickte, nahm noch die Tasche mit den Waffen zu sich und verlagerte das Gewicht. Greta beugte sich vor und hoffte Finn und Mandy waren in der Zwischenzeit nicht abgesürzt. Tatsächlich, sie waren noch da. Mandy strampelte noch immer und Finn versuchte sie zu beruhigen. „Bleib ruhig Mandy, ich kann dich sonst nicht halten!“ Doch Mandy hörte nicht, sie hatte zu viel Angst. „Halte still und versuch dich hochzuziehen“, sagte Finn zu Mandy, doch sie schien ihn nicht zu hören und strampelte weiter und schrie: „Bitte! Bitte lass mich nicht los, ich will noch nicht sterben.“ Durch ihr Gezappel rutschte sie jedoch immer weiter aus seiner Hand und obwohl er sich anstrengte, rutschte sie plötzlich aus seiner Hand und verschwand im Nebel der Dunkelheit. Die Schlucht verschlang sie wie ein wildes Tier und ihr Schrei gelte noch lange nach. Finn gefror das Blut in den Adern, die Nackenhaare stellten sich auf. Er hatte sie fallen lassen, er konnte sie einfach nicht mehr halten! Warum hatte er nicht mehr getan, nicht energischer auf sie eingeredet? Greta rief seinen Namen, sie hoffte inständig er würde endlich zu ihr aufschauen und ihr seine andere Hand reichen. Sie redete schon eine Weile auf ihn ein, doch er schien sie nicht zu hören. Wie in Zeitlupe wendete er seinen Kopf in ihre Richtung und schien sie erst gar nicht richtig zu sehen. „Finn! Komm schon, gib mir deine andere Hand, damit ich dich hochziehen kann.“ Seine linke Hand konnte auch sein Gewicht bald nicht mehr tragen und er spürte schon, wie seine Finger taub wurden und sein Arm ganz schlaff. Doch der Überlebenswille war stärker, ein Adrenalinstoß ging durch seinen Körper und er raffte noch einmal all seine Energiereserven zusammen und versuchte sich hoch zu schwingen. Er verfehlte jedoch Gretas Hand und taumelte. Verzweiflung stieg in ihr hoch, doch sie wollte noch nicht aufgeben. Wieder kippte das Auto ein wenig in Richtung Schlucht und Tränen traten ihr in die Augen. „Komm schon, du schaffst es!“ Ermunterte sie Finn und dieser setzte noch einmal an, ergriff ihre Hand und stemmte sich hoch. Greta zog mit aller Kraft und mit Schwung fielen beide zurück in die Sitze des Autos. Auch das Fahrzeug kippte zurück und blieb auf allen vier Reifen stehen. Sie waren in Sicherheit, zumindest fürs erste.

Das ist zwar nicht ganz das Ende, aber ich hoffe, es passt trotzdem in das Thema.

CAST

Finn Fitzgerald – Jared Leto
Greta van Houten – Tatjana Maslany
Romy van Kleve – AnnaLynne McCord
Mandy Esposito – Hilary Duff
Kommandant Ivan Milivcek – Juri Georgijewitsch Kuzenko

Soundtrack: Backstreet Boys: Siberia 

.
Wie hat dir die Geschichte gefallen? Lass es mich in einem Kommentar wissen. 

WEITERE THEMEN:
  • Fasse drei berühmte Bücher in je einem Satz zusammen.
  • Schreibe einen Aufsatz über die Erfindung des Telefons, lüg dabei und lass deine Fantasie spielen!
  • Dein Kühlschrank wird über dein Essverhalten interviewt. Schreibe das Interview auf.
  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Es begann damit, dass wir alles vertuschen mussten, denn niemand darf erfahren dass…“ beginnt.
DIE REGELN
  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen
WEITERE TEILNEHMER:

DISTRIBUTED BY READ BOOKS AND FALL IN LOVE
ACCOMPLISHED BY PASSION OF ARTS
Advertisements

10 Gedanken zu “#WritingFriday: Siberia

  1. kaisuschreibt schreibt:

    Ein halber Roman 😀
    Ein paar Wiederholungen haben sich eingeschlichen, an Adjektiven & Verben., aber so was kann man ausmerzen. Die Idee ist super! Wirklich! War voll drin. Mag nur so naive Hühner nicht XD
    Da stellen sich mir innerlich die Borsten auf 😛

    Gefällt 1 Person

  2. emilayana schreibt:

    Ein sehr schönes Ende einer Geschichte. Man konnte sich richtig den Anfang vorstellen. WIrklich toll. Du hast dir echt total viel Mühe gegeben.
    Ich freue mich schon auf die Aufgabe die du nächste Woche erfüllst und werde auf jeden Fall vorbeischauen.

    LG Svenja von Bücherfieber

    Hier kommst du zu meinem Beitrag

    Gefällt 1 Person

  3. Daniela, der Buchvogel schreibt:

    Hi, du warst ja total inspiriert. Zuerst waren mir die vier Protagonisten zu viel, aber dann bin ich gut damit zurecht gekommen. Sehr spannend geschrieben, es war auch gar nicht zu lang, ich fand das schön, mich richtig in die Geschichte vertiefen zu können! Nur an der Stelle, wo sich das Auto überschlagen hat, hab ich lachen müssen, wenn ich ehrlich sein darf – das fand ich zu klischeehaft.
    Zu den Russen ins Auto wär ich auch nicht gestiegen… da ham die schon so viel durchgemacht und halten dann einfach so einen Panzer an.
    Das Ende – dramatisch!
    Dass du sogar konkrete Schauspieler vor Augen hattest, beeindruckt mich tief!

    Meinen Beitrag findest du hier

    Grüße
    Daniela

    Gefällt mir

    • ginadieuarmstark schreibt:

      Hi Daniela,

      danke. Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte so gut gefallen hat 🙂 Ja stimmt, das mit dem Auto war ein wenig klischeehaft, aber über das ein oder andere Klischee kommt man bei einer Geschichte selten hinweg. Ja okay, den Panzer hat ja eigentlich die dumme Mandy angehalten und die denkt ja nicht von morgens bis mittags 😀 Aber du hast schon Recht, das ist durchaus noch ausbaufähig.

      Das mit den Schauspielern mache ich eigentlich immer so, selbst wenn ich ein Buch lese. Bei mir ist das immer wie ein Film oder eine Serie.

      Dann schau ich doch gleich mal bei dir vorbei 🙂

      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

  4. Wortman schreibt:

    Mandy… die hätte ich wahrscheinlich freiwillig losgelassen 😉
    Ballernde Russen die in eine Schlucht herunterfallen riecht etwas arg nach Klischee aber ich denke, vor Klischees ist niemand wirklich sicher. In dem Sinne kann man damit leben.

    Gefällt 1 Person

schreib was, ich beiße nicht ;) (Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der DSGVO von Passion of Arts und somit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.