#WritingFriday: B.L.U.E. – Rescue Me

Weiter geht es mit dem #WritingFriday von Elizzy und wie versprochen gibt es wieder eine längere Geschichte zu lesen. Allerdings habe ich beschlossen, das ganze in mehrere Teile zu teilen, damit es erstens spannender wird und zweitens, damit der Beitrag nicht zu lang gerät. Aber keine Panik, du musst nicht bis nächsten Freitag oder bis es wieder ein Thema gibt, wo das Ende dieser Geschichte hineinpasst, warten. Schon die nächsten Tage geht es weiter und DU entscheidest wie! Stimme einfach unten ab 😉
Doch jetzt erst einmal Part 1. Hierfür habe ich des Thema
„Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste.“ beginnt.“ Viel Spaß dabei!

Gwenny hatte nun endlich begriffen, dass sie weg gehen musste. Sie wusste nicht mehr, wie lange sie die drückende Stille in Alex‘ Küche noch ertragen konnte. Ein Jahr war es nun her, als sie noch gemeinsam mit ihm und Frank an dem kleinen, alten Küchentisch saß und Alex gerade seine Hand auf die Brust legte und lauthals über Franks Witz lachte. Sie erinnerte sich noch genau an diesen Moment, denn es war der letzte, glückliche in ihrem Leben gewesen. Das alte Telefon an der Wand schrillte, Alex strich sich mit dem Zeigefinger die Lachtränen aus dem Augenwinkel, stand von seinem Stuhl auf und nahm noch immer grinsend den Hörer ab. „Hallo?“ Sagte er mit seiner rauen Stimme und Gwenny sah sofort, wie sich sein Körper anspannte und er die Augenbrauen konzentriert zusammenzog, als er dem gegenüber an der anderen Leitung lauschte. Sofort schlug ihr Herz schneller, denn sie wusste, dass dies nichts Gutes hieß. Irgendwann konnte Alex es nicht länger verheimlichen, dass er ein Agent der amerikanischen Regierung war und so wussten Gwenny und Frank über seine Arbeit Bescheid. Er erzählte nicht viel, denn je weniger sie wussten, desto besser. Doch Gwenny hatte jedes Mal ein ungutes Gefühl, wenn er weg musste. Lange hatte die geheime Organisation, das sogenannte IMF nicht mehr angerufen, immerhin war Alex der letzte Überlebende aus seinem Team. Ein halbes Jahr davor war sein Teamleader Matthew bei einem Einsatz ums Leben gekommen. Zwei Monate davor hatte es Brie erwischt und vor einem Jahr war Luthers Van explodiert, während dieser gerade darin saß. Seitdem war es ruhiger geworden und Alex widmete sich hauptsächlich seinen Tätigkeiten auf der Ranch. Gwenny war glücklich darüber gewesen, konnte sie doch nun Nachts besser schlafen und hatte weniger Sorge um ihn. Sie selbst hatte nie das Glück gehabt, Mutter zu werden. Nach drei Fehlgeburten und dem frühen Ableben ihres Ehemannes Traver, blieb ihr diese Möglichkeit verwehrt. Mit 46 Jahren war sie dann schlussendlich auch zu alt, um noch einmal schwanger zu werden, vor allem fehlte ihr aber auch der Mann dazu und der Ehrgeiz. Es sollte einfach nicht sein. Sie suchte damals Arbeit als Haushaltshilfe oder ähnliches. Im Grunde hätte sie jede Tätigkeit angenommen, um über die Runden zu kommen. Also versuchte sie ihr Glück auf der Hilldale Ranch am Fuß des Mount Elbert. Ein neuer Eigentümer war gerade eingezogen, nachdem der alte, griesgrämige Bill Dockery an Leberverfettung zu Grunde gegangen war. Der alte Taugenichts hatte die Ranch so heruntergewirtschaftet, dass man sie für einen Spottpreis kaufen konnte und so war ihr neuer Eigentümer auch noch recht grün hinter den Ohren. Alex Carter war gerade 29 geworden und suchte ein Plätzchen, wo er zurückgezogen leben und dem stressigen Agentenleben entfliehen konnte. Mit seinem handwerklichen Geschick baute er die Ranch mit einer kleinen Anzahl an Arbeitern, beinahe alleine wieder auf und schuf eine der schönsten Plätze Colorados. Als Gwenny sich vorstellte wusste er zwar noch nicht so recht was mit ihr anzufangen, aber er hörte auf sie als sie sagte: „Lass mich nur mal machen Junge.“ Sie begann damit erst einmal das Haus in Ordnung zu bringen. Darin hatte er sich nur einen Platz zum Schlafen hergerichtet und die Küche sporadisch benutzt, denn die meiste Zeit verbrachte er draußen auf dem Feld, im Stall oder irgendwo dort, wo es auf der Ranch etwas zu reparieren gab. Gwenny schuf ihm ein gemütliches Zuhause, bereitete dem Jungen, der sich hauptsächlich nur von Cornflakes ernährte, ordentliche Mahlzeiten zu und hielt das Haus in Schuss. Schnell schloss er sie in sein Herz und sie ihn in ihres. Alex wurde für sie der Sohn, den sie nie hatte und als die Tiere mit ihrem Einzug in die Stallungen schließlich die Farm vollendeten und der Vorarbeiter Frank zu ihnen stieß, wuchsen sie bald wie eine kleine Familie zusammen. Doch dann kam der Anruf vor einem Jahr, der ihre perfekte Idylle zerstörte. Am anderen Ende der Leitung schien eine Frau zu sein, die panisch wirkte. Alex versuchte sie mit seiner sanften Stimme zu beruhigen und vereinbarte mit ihr einen Treffpunkt. Frank und Gwenny sahen ihn erwartungsvoll an, als er den Hörer in die Gabel zurück hing, sich mit der Hand durch das Haar strich und sichtlich durch den Wind wirkte. „Das war Blue“, sagte er nur kurz und knapp und schien in seinem Geiste schon irgendeinen Plan zu schmieden. Gwenny erinnerte sich an Blue, sie war die Nichte von Matthew gewesen, der sie damals zu sich nahm, nachdem ihre Mutter an Krebs verstorben war. Sie hatte auch mal eine Zeitlang hier auf der Ranch gelebt, nachdem sie attackiert worden war und Matthew der Sache auf den Grund gegangen war. Alex hatte solange auf sie aufgepasst und schwor Matthew, sie mit seinem Leben zu beschützen. Damals war sie 14 gewesen, ein tougher aber unkomplizierter Teenager. Sie half auf der Ranch wo sie konnte, stand auch früh auf und war allgemein ein aufgewecktes Mädchen. Ihr schönes blondes Haar glänzte golden im Morgenlicht, wenn sie zur Hintertür hereintrat und die frischen Eier wie Trophäen präsentierte, die sie soeben von den Hühnern geholt hatte. Besonders auffällig waren jedoch ihre stahlblauen Augen, die wie zwei Saphire schimmerten und deren sie ihren Namen zu verdanken hatte. Inzwischen musste sie eine junge Frau geworden sein und war offenbar in großen Schwierigkeiten. Alex schwieg jedoch darüber, „ich muss sofort aufbrechen“, war alles, was er zu Frank und Gwenny sagte, packte eilig eine Tasche zusammen und gab währenddessen Anweisungen an Frank. Dieser sollte sich in Alex‘ Abwesenheit um die Ranch kümmern. Gwenny hielt sich die Hand vor die Brust und wünschte, er würde nicht fort gehen, denn das ungute Gefühl in ihrem Herzen nahm jede Minute zu. „Geh nicht“, flehte sie schließlich mit bebender Stimme und er hielt inne, seine Sachen zu packen. Er sah sie liebevoll an, legte den Kopf schief und lächelte, „aber Gwenny ich bin sicher bald wieder zurück. Mach dir keine Sorgen.“ Dann kam er zu ihr, nahm ihr Gesicht in seine Hände und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. „Und wenn ich wieder da bin, werde ich gleich als erstes deinen Schaukelstuhl reparieren, damit du wieder unter der alten Weide sitzen und stricken kannst.“ Eigentlich wollte er sich heute Nachmittag dieser Aufgabe widmen, aber kaum ruft eine junge Frau in Nöten an, muss er rennen. „Wenn er nun endlich mal eine zum Heiraten mitbringen würde“, dachte Gwenny. Um seine Worte noch zu unterstreichen, gab er ihr  noch einen Kuss auf die Wange, ging dann zurück zu seiner Tasche, die er schließlich schulterte und lächelte sie noch einmal liebevoll an. Als er ging, liefen Gwenny bereits die Tränen wie Sturzbäche die Wangen hinab. Schon damals wusste ihr Herz, dass er nicht zurück kommen würde.

Alex nahm den ersten Flieger nach New York und landete um 6:15 Uhr.
„Das erste Mal in New York?“ Versuchte die Frau am Schalter einen Konversationsversuch. Doch Alex war nicht sehr nach reden, er wollte so schnell wie möglich zu Blue. „Nein .. ich“, stotterte er und versuchte seine Gedanken zu sammeln. „Ich war schon öfter hier“, erklärte er mit einem lächeln, „geschäftlich“, fügte er dann noch an und hoffte, sie würde ihm nun endlich den Stempel in den Pass drücken. Zack, erledigt und nun reichte sie ihm das Dokument mit einem strahlenden Zahnpastawerbungs-Lächeln entgegen und meinte noch „einen schönen Aufenthalt Mr. Wheeler.“ Er bedankte sich kurz und knapp, nahm ihr den Pass aus der Hand, stopfte ihn in seine Tasche und marschierte davon, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen. Vor zwei Jahren noch wäre er durchaus auf einen Flirt eingegangen und vielleicht hätte er sie auch noch klar gemacht, aber inzwischen war er ein anderer geworden. Es hatte sich viel verändert seit dem Tod seines Teams. Er fühlte sich schuldig, nicht nur weil er der einzige überlebende war, sondern er hatte auch irgendwie das Gefühl, es im Stich gelassen zu haben. Auch um Blue hatte er sich nicht ordentlich gekümmert, obwohl er es Matthew versprochen hatte. Nun war sie in großen Schwierigkeiten und die Erinnerung an ihre panische Stimme am Telefon ließen ihm noch immer kleine Schauer über den Rücken laufen. Wovor hatte sie nur so große Angst?

Blue blickte auf die große Skyline New Yorks und schob sich mit den Fingern das Haar aus dem Gesicht. Heute war ein windiger, aber sonniger Tag und es tummelten sich nur ein paar Touristen auf Liberty Island herum. Vorne an der Upper Bay war sie ungestört und sie hoffte auch unbeobachtet. Sie wusste nicht, ob sie das richtige tat, indem sie Alex in die ganze Sache hineinzog. Immerhin waren bereits alle, die in irgendeiner Weise mit ihr zu tun hatten, ermordet worden. Nach Matthew hatten sie sich auch ihren Mann Freddie und ihren gemeinsamen Sohn vorgenommen. Sie wusste nicht, wer dahinter steckte, doch sie war sich sicher, dass es jemand in der CIA sein musste. Sie traute dort niemanden mehr. Es blieb also nur noch Alex. Der einzige, der ihr jetzt noch helfen konnte, die Sache aufzuklären.
Ihr Herz klopfte vor Aufregung schneller, als sie seine Anwesenheit hinter sich bereits spürte, noch ehe er den langen Weg von Liberty Island zur Bay gegangen war. Sein Gang war lässig, doch man merkte ihm seine Anspannung an. Sie hatte ihn seit Matthews Beerdigung nicht mehr gesehen und damals merkte sie schon, wie erwachsen er geworden war. Es war nichts mehr übrig von dem ausgelassenen Grünschnabel mit glattem Bubigesicht und Schmalzfrisur, der ihr damals als sie ein Kind war das Trachtenberg-Rechensystem beigebracht hatte. Erst fand sie ihn furchtbar nervig, doch bald faszinierte sie seine Abenteuerlust und sein Freigeist. Als sie mit 14 ein paar Tage bei ihm auf seiner Ranch verbringen musste, hatte sie sich tatsächlich ein wenig in ihn verknallt, sozusagen war er ihr erster Schwarm. Da sah er aber auch schon nicht mehr so bubihaft aus, trug einen Bart und hatte seine braunen Haare kurz und strubbelig, in denen ständig Holz, Gras oder Stroh zu finden war. Er wirkte schon damals ernster und sie fragte sich, was ihn verändert hatte. Nun stand er mit seinen 1,83 Meter vor ihr und schaute sie mit seinen stahlblauen Augen besorgt an. Er trug Jeans, ein weißes T-Shirt, das seinen muskulösen Oberkörper unterstreichte und darüber ein rot-kariertes Holzfällerhemd. Sein Bart war voller als beim letzten Mal und auch seine Haare waren etwas länger. Er sah umwerfend aus und Blue fühlte sich erneut wie der 14-jährige Teenager, der für ihn geschwärmt hatte. „Hey Blueberry“, sagte er sanft und nannte sie bei dem Kosenamen, den er ihr schon damals als sie noch ein Kind war, gab. Plötzlich füllten sich ihre Augen mit Tränen, sie konnte gar nicht fassen, dass er wirklich da war. Sofort schloss er sie in seine Arme und drückte sie ganz fest an seine starke Brust. Trotz seiner langen Flugzeit roch er nach frischem Holz und Natur, was sie schon immer an ihm mochte. Sanft strich er ihr mit seiner von der harten Arbeit, rauen Hand über das Haar und schmiegte seine bärtige Wange an ihre Halsbeuge, während sie ausgelassen weinte. Von Außen mussten sie wie ein Liebespaar wirken, dass sich lange nicht mehr gesehen hatte. Doch der Schein trügte, konnte sie sich nach all den Strapazen und Verlusten der letzten Jahre, Monate und Wochen endlich ein wenig fallen lassen. Nach einer Weile schob er Blue behutsam von sich weg, sodass er ihr ins Gesicht sehen konnte und meinte: „Nun erzähl doch mal, was ist denn passiert?“ Trotz ihres verweinten Gesichtes fand Alex sie immer noch wunderschön. Sie war zu einer attraktiven, jungen Frau herangewachsen, das hatte er damals auf Matthews Beerdigung schon bemerkt. Und wieder hatte er dieses kribbeln in der Magengegend, das er sofort wieder zu ignorieren versuchte. Sie wischte sich die Tränen mit dem Taschentuch beiseite, das er ihr reichte und setzte sich an den Steg. Alex nahm neben ihr Platz und lauschte ihr aufmerksam, als sie zu erzählen begann. […] „… und ich bin mir ziemlich sicher, dass jemand aus der IMF oder der CIA darin verwickelt ist“, schloss sie ihren Bericht und Alex schaute sie entsetzt an. Es wunderte sie auch nicht, immerhin war das ziemlich harter Tobak, vor allem wenn man bedenke, wen derjenige alles auf dem Gewissen haben musste, inklusive all ihrer geliebten Menschen. „Du bist Agentin geworden?“ Brauste er auf. An der ganzen Geschichte schien ihm das am meisten zu schockieren. „Bist du wahnsinnig? Dein Onkel wollte dich von dem Kram immer fern halten, ich meine .. ich … “ er rang nach Worten, die seine Gefühle darüber Ausdruck verleihen konnten, doch ihm fiel nicht das richtige ein. Stattdessen grummelte er nur: „Matthew wird aus seinem Grab hinaufsteigen und mir in den Hintern treten!“
„Ich glaube nicht, dass er das tun wird“, versuchte sie ihn zu beruhigen.
„Du glaubst nicht? Alex, es war deine Aufgabe, als einziger noch übriger auf sie aufzupassen und du hast es gehörig versaut Alter!“ Imitierte er ihren Onkel und machte dabei wilde Gesten mit dem Zeigefinger.
Blue schmunzelte bei dem Gedanken, wie Matthew das Wort „Alter“ in den Mund nehmen würde, was so gar nicht zu ihm passte. Alex interpretierte ihr Grinsen, als würde sie sich über ihn lustig machen und meinte: „Wenigstens kannst DU darüber lachen.“
„Reg dich ab Alex“, versuchte sie ihn zu beschwichtigen, „es ist nicht deine Schuld. Ich wäre auch so Agentin geworden, weil ich es wollte und weil ich diese Arbeit liebe.“
Alex seufzte und schüttelte verständnislos den Kopf darüber, ließ das Thema dann aber sein. „Also dann brauchen wir einen Plan, wie wir rauskriegen wer hinter dir her ist und wie wir ihn oder sie fertig machen.“
„Genau“, pflichtete Blue bei und hatte plötzlich wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. „Wir sollten woanders hingehen“, meinte Sie und Alex merkte sofort, dass sie sich nicht wohl fühlte. Also stand er auf, reichte ihr die Hand um ihr aufzuhelfen und nebeneinander gingen sie zur anderen Seite, um das nächste Schiff zurück nach New York City zu erreichen.

Blue hatte eine Wohnung in der Innenstadt gemietet, in der sie ungestört an dem Fall arbeiten konnte. Da diese nicht zu mehr diente, war diese auch nur sporadisch eingeräumt. Wenn man eintrat, war man erst einmal auf einer Erhöhung, um tiefer in die Wohnung zu gelangen, musste man erst ein paar Stufen nach unten gehen. Links war gleich eine kleine, hufeisenförmige Küchenecke mit einer Einbauküche. Davor befand sich ein kleiner Holztisch mit zwei Stühlen. Hier stand man dann auch schon im Wohnzimmer, in dem nur eine Couch stand. Rechts ging es durch eine Glasschiebetür ins Schlafzimmer, in dem ein Doppelbett aus Eisen stand. Von dort aus konnte man in das kleine Bad mit Badewanne, einer Toilette und einem Waschbecken. Sie war klein, aber tat ihren Zweck. „Die Möbel waren schon drin“, sagte Blue, nachdem sich Alex umgesehen hatte. Er nickte nur, stellte seine Tasche neben dem Sofa ab und ging ins Schlafzimmer zu der Wand, die seine meiste Aufmerksamkeit auf sich zog. An der ganzen Linken Wand des Bettes hatte Blue alle Aufzeichnungen, Verbindungen, Personen und alles was sie zu dem Fall gefunden hatte angebracht. Auch Matthew, Luther, Brie und Blues Ehemann Freddie waren daran zu sehen. Nebendran hatte sich Blue Notizen gemacht, in welchem Zusammenhang sie zueinander und zu dem Fall standen. Alex war sichtlich beeindruckt, hatte sie doch einiges an Arbeit darin investiert. Er verschränkte die Arme vor der Brust, legte sein Kinn in die Linke Hand und studierte alles ganz genau. Blue beobachtete ihn dabei und hoffte er würde etwas Aufschlussreiches entdecken. Es war ganz still im Raum, man hätte eine Stecknadel fallen hören können, oder Blues Herzschlag, der aufgeregt in ihrer Brust hämmerte. Sie wusste nicht, ob es die Spannung war, durch Alex an eine neue Erkenntnis zu kommen oder es einfach an seiner Anwesenheit lag. Sie hoffte inständig, er würde es nicht bemerken. Plötzlich atmete er hörbar aus, trat an die Wand heran und deutete auf ein Foto. Blue hielt den Atem an als er schließlich sagte: „Das ist Andrew Brewer, Chef der Abteilung für äußere Angelegenheiten des IMF. Wusstest du das?“
Blue schüttelte den Kopf. Sie hatte versucht, mehr über diesen Mann in Erfahrung zu bringen, wusste aber nicht recht, wo sie anfangen sollte. Sie hatte ihn damals auf Luthers Beerdigung im Schatten stehen sehen. Er dachte er blieb unbemerkt, doch sie konnte einen kurzen Blick auf ihn erhaschen. Außerdem hatte Luther dieses Foto, welches nun hier an der Wand hing, in seiner Wohnung. Es war eine Aufnahme einer Überwachungskamera eines Parkhauses. Blue wusste nur nicht genau, welches Parkhaus und warum Luther dieses Bild hatte. Das IMF konnte sie nicht um Hilfe bitten, denn laut denen war sie eine Verräterin. Aber wenn er für die Außeneinsätze zuständig war, warum hatte sie dann nie mit ihm zu tun gehabt? Das fragte sie auch Alex, aber der erklärte ihr nur, dass Brewer selten in Erscheinung trat und mehr delegierte. Meistens kommt er dann auf die Fläche, wenn etwas gehörig schief gegangen war. So wie damals, als Matthew bei einem Einsatz im Irak gefangen genommen, gefoltert und anschließend lebendig in einer Kiste begraben wurde. Alex erinnerte sich noch ganz genau, dass Brewer ihm sein Bedauern über die ganzen Ereignisse aussprach. Aber irgendwas war da noch. Alex erinnerte sich an ein späteres Zusammenstehen zwischen Matthew, Brewer und noch einer Person. Aber wer war es?
„Erinnerst du dich nicht an das Gesicht?“ Bohrte Blue, weil sie genau wusste, dass Alex ein photographisches Gedächtnis besaß. Dieser winkte jedoch ab, „nur, wenn ich das Gesicht auch gesehen habe, aber der Mann stand mit dem Rücken zu mir.“ Er setzte sich auf das Bett und überlegte fieberhaft.
„Hast du denn keine Idee?“
„Im Moment überhaupt nicht, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn kenne.“ Er schlug sich mit der flachen Hand gegen die Schläfe, „Mist! Wenn ich doch nur nicht mit Susan aus der Rechtsabteilung geflirtet hätte, wüsste ich es!“
Blue setzte sich neben ihn, drückte ihm sanft die Schulter und meinte: „Du konntest ja nicht wissen, dass es eine Verbindung dazu gibt. Wir wissen ja jetzt noch nicht einmal, ob Brewer wirklich in die Sache verstrickt ist.“ Alex nickte, „du hast Recht. Ach ja und übrigens“, er machte eine kleine Pause und sah sie dann unverwandt an. „Das mit deinem Mann und deinem Sohn tut mir sehr leid.“ Sie senkte den Blick und atmete hörbar aus. „Danke.“ Es war nun ein Jahr her, aber der Verlust schmerzte noch immer. Vermutlich würde es bis an ihr Lebensende wehtun und dennoch hoffte sie, es würde leichter werden. Deswegen hatte sie sich in die Arbeit gestürzt, das große Rätsel um all die Tode zu lösen und hatte alle Kontakte und Optionen ausgeschöpft, um dem Ziel näher zu kommen. Viele Wege haben in Sackgassen geendet, bei anderen wurde ihr Informant ermordet und  dann wiederum war sie selbst in Gefahr geraten. Irgendetwas großes war im Gange und das schon seit einigen Jahren. Sie fragte sich nur, was das sein könnte, was Matthew wusste und was das ganze mit ihr zu tun hatte. Schließlich stand sie auf, schrieb eine Notiz und klebte sie zu dem Foto, das Brewer zeigte. Nun war sie wieder einen Schritt weiter. „Alex?“
„Mmh?“
„Kannst du nicht ins IMF gehen und … keine Ahnung, Informationen einholen?“ Sie drehte sich zu ihm um und schaute ihn hoffnungsvoll an. „Ich meine, du bist doch noch dabei oder? Dir hat keiner etwas vorzuwerfen.“ Die vom IMF hatten ihm nichts vorzuwerfen, dafür er sich selbst eine ganze Menge. Und nun würde auch sie von ihm enttäuscht sein, wenn er ihr sagen musste, dass er seit Matthews Beerdigung an keinem Einsatz mehr beteiligt war und das IMF ihn auch gar nicht deswegen kontaktiert hatte. Nun stand sie vor ihm und wartete auf eine Antwort, die vielleicht alle ihre Sorgen und Probleme auf einmal in Luft auflösen hätte konnen. Alex seufzte und meinte dann: „Tja weist du, ich kann da nicht so einfach reingehen“, woraufhin sie die Stirn runzelte. „Ich habe schon seit einiger Zeit keinen Einsatz mehr gemacht, mein Operator hat mich weder kontaktiert, noch rekrutiert. Ich habe von dem verdammten IMF seit einer halben Ewigkeit nichts mehr gehört und wenn ich ehrlich bin, war mir das auch ganz recht so.“
Blue verstand nicht was er da sagte. Er war doch ein Agent der amerikanischen Regierung, deren Eigentum, wenn die ‚Springen‘ sagen musste er fragen ‚wie hoch‘. „Aber“, stotterte sie, „aber das kann doch nicht möglich sein, ich meine“, … Sie machte den Mund wieder zu, weil ihr nichts dazu einfiel, doch Alex fing auf einmal an zu grinsen. Jetzt war sie sichtlich verwirrt, was war daran jetzt witzig? „Also, vielleicht hatten die ja gar keine Ahnung wo ich bin?“
„Hä?“
Alex lachte über ihre Verwirrtheit und begann zu erklären: „Nun, die denken, dass ich in einer Villa am Strand von Malibu lebe und den ganzen Tag surfe.“
„Aber, ich verstehe nicht. Wie das denn?“
„Naja, weil ich es ihnen so verkauft hab“, meinte er nur und zuckte mit den Schultern und es dämmerte ihr. Als sie ihn sich wieder mit 22 vorstellte, erkannte sie seine ganze Farce. Das blondierte Haar, die sonnengebräunte Haut und immer dieses ständige Gerede über die nächste Welle. Sie hielt ihn damals für einen Vollidioten, der nur darauf aus war die nächstbeste Braut klar zu machen und die nächste Welle zu erwischen. Jetzt wurde ihr klar, das das alles nur eine Fassade war, wobei sie sich bei den Frauen nicht so ganz sicher war. Sie stellte fest, dass sie Alex im Grunde gar nicht kannte und machte sich nun Sorgen, ob sie ihm auch wirklich vertrauen konnte. „Aber warum das alles?“ Wollte sie schließlich von ihm wissen. „Ich meine, wie konnten die Kontakt zu dir aufnehmen, wenn du mehr oder weniger untergetaucht warst?“
„Nun es ist so“, begann er zu erklären, „die CIA will alles von dir und für die bist du nicht einmal ein Mensch, sondern eine Maschine, die zu gehorchen hat. Glaubst du ich könnte auf meiner Ranch friedlich leben, wenn die wüssten, wo ich wäre? Ich bin gerne Agent, so ist es ja nicht, aber ich habe für mich entschieden, dass das nicht alles in meinem Leben ist. Matthew hat für diesen Job seine ganze Familie aufgegeben, das wollte ich nicht auch.“ Gerade merkte er, dass er damals ja gar keine Familie hatte und korrigierte sich indem er sagte: „Ich meine ich wollte mir trotzdem ein Leben aufbauen, ohne das alles, ohne Verzicht. Anfangs habe ich ja tatsächlich in Malibu gewohnt, aber das Meer, der Sand, das war alles nichts für mich. Später mussten die mich nicht mehr kontaktieren, denn ich war fest in Matthews Team und er wusste wo ich war.“
Das klang einleuchtend, immerhin waren sie als Agenten Meister darin, zu verschwinden und wenn es sein musste jahrelang unterzutauchen. Und sie wusste zu gut selbst, wie es ist, in diesem Job zu arbeiten. Matthew hatte damals auch sein Haus in New York City und auch das konnte er immerhin ein paar Jahre geheim halten. „Nun also“, meinte Alex. „Immerhin kann ich aber ein paar Kontakte aufnehmen, um etwas heraus zu finden.“ Damit stand er auf, holte sich das nötige Equipment aus seiner Tasche und ging zur Tür. „Wenn ich in einer Stunde nicht wieder da bin, packst du hier den ganzen Kram zusammen und verschwindest. Ist das klar?“
Blue nickte und sah zu, wie Alex aus der Tür verschwand.

… to be continued. ⇓ An der Umfrage kannst du leider nicht mehr teilnehmen, aber du kannst HIER gleich weiterlesen  🙂 

CAST

Gwenny Devoncourt – Octavia Spencer
Alexander Carter – Chris Evans
Frank Miller – Sam Elliott
Blue Hecker – Blake Lively

Soundtrack:
The Cinematic Orchestra: To Build a Home
30 Seconds to Mars: Rescue Me

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Wie hat dir die Geschichte gefallen? Lass es mich in einem Kommentar wissen.
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WEITERE THEMEN:
  • Ein freier Tag ohne Smartphone, Internet und Co, schreibe auf wie dieser bei dir aussehen würde.
  • Erzähle uns von einem Wunsch, denn du aus Angst noch nie angegangen bist.
  • Der Sommer beginnt, erzähle aus der Sicht eines Bikinis.
  • Du findest auf der Strasse ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.
DIE REGELN
  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen
WEITERE TEILNEHMER:

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16 Gedanken zu “#WritingFriday: B.L.U.E. – Rescue Me

  1. Rina schreibt:

    Sehr spannend. Bin auf die Fortsetzung gespannt. Ich habe für Nein bei deiner Umfrage gestimmt. Es gibt einfach zuviel Geschichten, die in diese Schiene laufen. Mir wäre lieber eine tolle Partnerschaft auf freundschaftlicher/familiärer Basis.

    Gefällt 2 Personen

  2. Sebastian Nachdenker schreibt:

    Hallo Gina,

    nun kommt die Retourkutsche 😉.

    Finde den ersten Teil richtig gut! 👏 Die Erzählerin hält geschickt Wissen zurück, etwa Blues Tätigkeit für den Geheimdienst. Mir gefällt, wie sich die Geschichte mit Beobachtungen, äußerer Handlung und Detailschilderung abwechselt. Manche Detailbeschreibung macht echt eine Gänsehaut, zum Beispiel „Trotz seiner langen Flugzeit roch er nach frischem Holz und Natur, was sie schon immer an ihm mochte.“ Daher sehe ich zwischen Alex und Blue eine Liebesbeziehung anbahnen, die womöglich mit ihren Pflichten ihrer speziellen Berufe kollidieren könnte.

    Viele Grüße
    Sebastian

    Gefällt 1 Person

    • ginadieuarmstark schreibt:

      Lieber Sebastian,

      danke für dein Feedback und es freut mich sehr, dass dir der Teil so gut gefällt. Besonders habe ich mich über deine Meinung zu den Beschreibungen gefreut, weil ich diese nämlich meistens vergesse. Ich weiß ja, wie alles aussieht, aber ich denke oft nicht daran, dass das der Leser nicht weiß 😀 Dann hab ich das wohl diesmal richtig gemacht.

      Sonnige Grüße,
      Gina

      Gefällt 1 Person

    • ginadieuarmstark schreibt:

      Hi Daniela,

      danke für dein Feedback 😀
      Ich sehe schon, es war wohl eine gute Idee, euch entscheiden zu lassen. Das macht es selbst für mich spannend.

      Oh, da muss ich bei dir dann mal den ersten Teil lesen, eher ich mit der Fortsetzung beginne. Da schau ich doch gleich mal vorbei!

      Sonnige Grüße, Gina

      Gefällt mir

  3. elizzy91 schreibt:

    Liebe Gina einfach fabelhaft wie du dieses Thema in so eine spannende Geschichte verwandeln konntest! 😀 Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung und bin gespannt wie du die Story weiter schreiben wirst!

    Gefällt 1 Person

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